Geschichte
Geschichte
Schon 1876 gab es in Neustadt eine Badeanstalt – und trotzdem dauerte es noch über 80 Jahre, bis das Waldbad Wirklichkeit wurde. Hier erfährst du, wie aus Badeteichen, Schubkarren und ganz viel Gemeinschaftsgeist unser Waldbad entstanden ist.
Die Anfänge
Schon 1876 gab es in Neustadt eine Badeanstalt mit Wannen- und Brausebädern gegenüber dem heutigen Krankenhaus – gedacht für die Kurgäste des Sanatoriums. Nach dem Ersten Weltkrieg wollte aber auch der „einfache Mann“ baden und schwimmen. Ende der 1920er-Jahre kamen deshalb Pläne für ein Freibad auf. Der Versuch, im heutigen Lönspark eins anzulegen, scheiterte 1927/1928 an Geld und Einsprüchen.
So halfen sich die Neustädter selbst: Zwischen 1925 und 1935 stauten Kinder und Jugendliche den Hardtbach in Höhe des heutigen Waldbad-Parkplatzes zum „Badesumpf“ auf – mit Steinen, Rasenstücken und Zweigen. Um 1939 legte Oberlehrer Otto Müller („Ami“) mit der Schuljugend einen Badeteich in der „Zapfkuhle“ an (heute Biotop), damit die Kinder schwimmen lernen. 1949 entstand dann am Standort des heutigen Waldbads ein Badeteich. Das fröhliche Treiben dort gab dem Bau eines richtigen Bades den letzten Anstoß.
Der Bau des Waldbades
Anfang der 1950er-Jahre ging es los – mit Spaten, Kreuzhacke, Schaufel und Schubkarre. Bürgermeister Fritz Deistung war der Initiator, rund 150 Neustädter packten im Nationalen Aufbauwerk mit an. Zuerst wurde der Abwasserkanal geschachtet, dann hob ein Bagger das Becken aus. Die Handarbeit beschränkte sich auf das Planieren mit Schubkarren.
1955 stürzte nach einem Wolkenbruch eine Betonmauer ein – der Beton war zu mager gemischt. Dazu kamen Geldsorgen, die schließlich gütlich beigelegt wurden. Fast zwei Jahre ruhte der Bau. Nur ein Häuflein von zehn bis zwölf Unentwegten unter Otto Kiel machte weiter, allen Sprüchen wie „das wird ja doch nichts“ zum Trotz. Dann nahm sich der Kreis der Sache an, eine neue Firma übernahm die Betonarbeiten, und Ende 1957 stand der Betonkörper.
Der Hardtbach wurde zehn bis zwölf Meter verlegt, Studenten des Instituts für Lehrerbildung halfen. Die Forstgenossenschaften 102, Harzfeld und Günzdorf spendeten Fichten; im Sägewerk von Kurt Müller wurden daraus Balken und Bretter für Umkleiden, Kasse und Bademeisterhaus, Gert Gillert fuhr die Transporte. Im Frühjahr 1958 bauten einheimische Zimmerleute und Tischler die Nebenanlagen, auch abends und am Wochenende wurde „gewippt“. Besucher meinten: „Das schafft Ihr nie bis zum Sommer!“ Doch am 15. Juni 1958 eröffneten Bürgermeister Fritz Deistung und der „Roland“ Franz Gerlach das Waldbad mit einem großen Volksfest. Wer mehr als 250 Stunden mitgeholfen hatte, bekam die goldene Aufbaunadel.
Wie das Waldbad weiterwuchs
Mit der Eröffnung war die Arbeit nicht zu Ende. Helmut Mund, der erste Schwimmmeister, hielt in seiner Chronik von 1985 fest, was danach alles entstand:
- 1959: erste Gehwegplatten am Beckenrand
- 1960: Plattenumgang verbreitert, Böschung planiert, Steingarten angelegt
- 1961: Stromleitung verkabelt, Kinderplanschbecken gebaut, Dreimeter-Sprungbrett aufgestellt
- 1964: Liegewiese erweitert, Chloranlage angeschafft
- 1966: zweiter Überlauf am Schwimmbecken
- 1967: Kiosk aufgestellt, Lautsprecheranlage installiert
- 1968: Abwasserleitung zum Kiosk
- 1969: Kinderspielplatz mit Wippe, Schaukel und Klettergerüst
- 1970: Wasserrutsche aufgestellt
- 1973: neue Pumpenstation verbessert die Wasserversorgung
- 1974: Volleyballanlage
- 1975: neue Toilettenanlage (rund 40.000 Mark)
- 1976: Freiturngerät auf dem Spielplatz
- 1977: Beschallungsanlage erweitert
- 1978: Hauswasseranschluss mit zweiter Pumpenstation, bessere Zufahrtswege
Und heute?
1983 feierte das Waldbad 25-jähriges Bestehen, 2018 den 60. Geburtstag. Am 26. April 2006 gründete sich der Förderverein, um die Gemeinde bei Erhalt, Sanierung und Pflege des Bades zu unterstützen.
Ältere Mitglieder und Freunde des Vereins wissen viel aus der langen Geschichte des Waldbades zu erzählen. Sprich sie einfach an, es lohnt sich!
Quellen: Rupert Ströbele (Originalbrief) und Helmut Mund, erster Schwimmmeister (Chronik, 1985). Für Richtigkeit und Inhalt sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.
